Pferde wurden nie verboten, trotzdem verschwanden sie weitgehend als Verkehrsmittel aus dem Alltag. Genau diesen Vergleich zieht nun Volkswagen mit Blick auf Elektroautos und Verbrenner. Martin Sander, Vertriebsvorstand der Marke Volkswagen Pkw, ist überzeugt: Elektroautos werden sich am Ende nicht wegen politischer Vorgaben durchsetzen, sondern weil die Menschen irgendwann schlicht feststellen, dass sie im Alltag die bessere Lösung sind.
„Wann wurden Pferde verboten?“, fragte Sander im Gespräch mit dem britischen Magazin Auto Express provokant. Pferde könne man schließlich bis heute kaufen. Dennoch dominierten längst Autos das Straßenbild, weil sie für die meisten Menschen praktischer seien. Genau dieser Effekt werde sich seiner Ansicht nach nun bei Elektroautos wiederholen.
Die Aussagen kommen in einer Phase, in der Volkswagen seine Elektrostrategie nochmals deutlich beschleunigt, jedoch auf der anderen Seite auch weiterhin mit Verbrennern plant. Gerade in China baut der Konzern sein Angebot massiv aus und will dort bis 2030 rund 50 elektrifizierte Modelle anbieten. Gleichzeitig investiert Volkswagen stark in Software, KI-Funktionen und neue Elektronikarchitekturen.
Wer nutzt heute noch ein Nokia?
Interessant ist dabei vor allem der historische Vergleich. Tatsächlich verlaufen technologische Umbrüche oft ähnlich: Neue Technologien wirken zunächst teuer, unpraktisch oder unausgereift, bis sie plötzlich zum Standard werden. Ein prominentes Beispiel dafür ist der Smartphone-Markt: Noch vor knapp 20 Jahren hielten viele Beobachter klassische Tastentelefone für überlegen. Marktführer wie Nokia dominierten den Mobilfunkmarkt scheinbar uneinholbar. Das iPhone wurde anfangs belächelt, Touchscreens galten als Spielerei und mobile Apps als Nischenfunktion.
Bekanntlich kam alles anders. Innerhalb weniger Jahre veränderten Smartphones den gesamten Markt radikal. Frühere Branchenriesen wie Nokia oder Blackberry verloren massiv an Bedeutung, weil sie den technologischen Wandel unterschätzten oder zu spät reagierten. Heute erscheinen klassische Mobiltelefone ähnlich überholt wie einst Pferdekutschen im Zeitalter des Automobils.
Sander hält von Verboten nichts
Ganz so schnell dürfte die Entwicklung bei Autos zwar nicht verlaufen. Dafür sind Fahrzeuge deutlich langlebiger und die Infrastruktur komplexer. Doch auch hier zeigen die Zahlen einen klaren Trend: In Europa lag der Anteil batterieelektrischer Fahrzeuge in den ersten vier Monaten 2026 bereits bei mehr als 20 Prozent aller Neuzulassungen. Zudem verschwinden viele frühere Kritikpunkte zunehmend. Reichweiten steigen, Schnellladenetze wachsen, die Betriebskosten fallen oft niedriger aus als bei Verbrennern und neue Software-Architekturen machen Elektroautos technisch immer leistungsfähiger. Gerade chinesische Hersteller erhöhen zusätzlich den Innovationsdruck auf etablierte Automobilhersteller. Auch deshalb versucht Volkswagen derzeit, seine Elektro-Offensive deutlich zu beschleunigen – unter anderem mithilfe des chinesischen Herstellers Xpeng.
Sander plädiert deshalb dafür, Kunden nicht über (vermeintliche) Verbote wie das eigentlich geplante EU-„Verbrenner-Aus“ zum Umstieg bewegen zu wollen, sondern über bessere Produkte. Oder anders formuliert: Nicht ein Verbot der Pferdekutsche machte das Auto erfolgreich, sondern die Erkenntnis, dass es für die meisten Menschen schlicht die praktischere Lösung war. Dass VW bis zu diesem Zeitpunkt aber offenbar noch möglichst viele „Pferde“ verkaufen will, ist ebenfalls offensichtlich.
Quelle: Auto Express – Cars are like horses: people will soon realise EVs are just better, claims VW boss









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